Das Herz Europas (vor dem Infarkt)

Kennst Du die Stadt im Schwabenland,
Die Stutengarten einst genannt,
Doch heute nur regiert von Hengsten
Was auch der Grund zu manchen Ängsten.
(Die Stuten beißen leider selten,
Weil sie auch heut noch wenig gelten).

So konnten Spielzeugeisenbahner,
Ohn’ Widerstand gar vieler Mahner,
Die Heimerl, Rommel, auch ein Teufel,
Ganz ohn’ Beachtung mancher Zweifel,
Wie topographischer Probleme,
Auch geologischer Extreme,
Ihr Bähnle durchs Gelände bohren.

Noch ist die Bahnschlacht nicht verloren.
Denn dank der Schwaben Lethargie

(die Bayern hatten das noch nie)
Dauert dies Bohren schon Dekaden,
Drum hängt das Ding am seidnen Faden.
Mit Kosten, die manipuliert,
Man uns in die Irre führt.

Kein Zweifel, dass die Magistrale,
West - Ost sich einmal ausbezahle,
Doch macht sie uns zu Kellerkindern –
Der
Kopfbahnhof ist viel gesünder!
Für die dreihundertausend Pendler
Wär umsteigen auch viel patenter,
Und im clev’ren Taktverfahren
Lässt sich’s unverspätet fahren.
Nicht so im Keller tief da unten,
Kaum, dass die Rolltrepp du gefunden
Und diese ausnahmsweis nicht steht:
Dein Zug nach zwei Minuten geht.

Auch ist Ästhetik hier am Ort,
Den Machern nur ein fremdes Wort,
Wie sonst könnt man den Hauptbahnhof –
Und hier schweigt auch der Philosoph –
Verlegen in den Nesenbach,
Mit Froschaugen für’s Licht vom Dach?
Dort oben plant man einen Platz,
Für Skateboarder: ein echter Schatz,
Für uns jedoch ein Warzenhof,
Rein städtebaulich, mehr als doof!

Und, als der Weisheit letzter Schluss,
Verwehrt man uns dort noch den Bus,
Verlegt ihn hoch nach Vaihingen, *
Da bleibt uns nur noch Händeringen.
Wes Geist muss da ein Planer sein
Dem fällt solch ein Schwachsinn ein?
Drum, Oh heiliger Sankt Johann,
Beschütz uns vor dem Größenwahn,
Patron der Architektenschaft,
Nur Du hast dazu noch die Kraft!

Eckart Schäffer
Untertürkheim-20-02-10




Mein Freund der Baum


Mein Freund der Baum ist tot,
ihm scheint nie mehr das Morgenrot.
Gemeuchelt von der Mörder Hand,
die nichts mit der Natur verband;
Kulturbanausen höchsten Grades,
suchen sie den Weg zum Hades,
graben mit den Herrenknechten
und beschimpfen die Gerechten.

Zu dumm, um Fehler zu benennen,
die sie ja auch schon lange kennen,
machen aus 16 Gleisen acht,
worüber man noch lange lacht.
Zwei Züge steh‘n auf einem Gleis,
ist das denn nicht der größte ……?
Der erste fährt, du sitzt im falschen,
die Reise ist somit versalzen,
und bist du gar noch stark behindert,
ist deine Weiterfahrt verhindert,
denn der Lift ist grad defekt,
und auch die Rolltrepp ist verreckt.

Nicht schlimm, du setzt dich in den Park,
der, ohne Bäume ziemlich karg,
und wartest dort in praller Sonne
auf das, was da noch kommen solle.
Die Bonzen von der Direktion,
kennen die Misere schon,
doch wollen sie nicht mehr zurück,
weil die Kassen gut bestückt,
von Stadt und Land und Region,
drum schleicht sich da die Bahn davon.

Pünktlichkeit ist eine Zier,
doch bei der Bahn geht’s ohne ihr.
Vor mir seh‘ ich 15, 20 Jahre,
-dem Pendler sträuben sich die Haare-
wo Zugausfälle und Verspätung
sind der DB neue (Götter-) Dämmerung.
Verspätung auch bei „bester Planung“,
von Kundennähe wenig Ahnung,
beim Kostenlimit ohnehin –
so gehen Zeit und Geld dahin.

Eckart Schäffer
27-01-12


scheißen tag
(ganz frei nach ernst jandl)


war diesen tag nicht ein scheißen tag
drei scheißen tag vor der scheißen alibi wahl
aus dem scheißen hauptstadt ratthaus
von dem scheißen anti demokratten obermeister
unserm scheißenen Stadtpropagandaminister
für einen oberscheißenen rolltreppen stinkenen u-bahnhoff
mit allerscheißenen glotzaugen fir scheißene licht
kam einen scheißenen brief mit scheißenen lügen
über scheißene turmhohe Ausstiegskosten
aus getürkten scheißen Phantomzahlen
und scheißen angst machen für kaputt projekt
für scheißen nachhaltig pumpensumf objekt
mit scheißenen nesenbach dükern für ewig
sein ein scheißenen tag für sex und siebzig tausend
ein scheißenen woche vor ein scheißenen wahl
wg ein scheißen kaputtmach arschitek
und einen oberscheißenen nixversteh bahnschef
weil scheißenen Quorum kein scheißene schangse
und wg oberscheißenen s-einundzwansig kartell
für niemals und nie scheißenen kopfbahnhof
sein brief echt zum tot scheißen



Stuttgart-24-11-11
Eckart Schäffer
Bahnhofspflichtverteidiger