Zum Blog vom 8.8.2016, 333.Montagsdemo

Riesenstandort

Wie lange wohl werden sie uns noch dulden –
Eh uns der Himmel verschlingt
Unsere djakartaisierten, newyorkisierten, mumbaiisierten Städte
Diese Makro-Metro-Mundo-Humankapitalumschlagplätze

Grellgrau, unitbunt, breit und brüsk
Lang und eng, welk und wild.

Mit Crack und Salad – Cracksalad
Mit Shrimps und Festplatten – Shrimpsfestplatten
Mit Tapas und Abwasser – Tapasabwasser
Mit Radar und Krawatten – Radarkrawatten
Mit Urbanisierungswings und Casino-Consulting?

Jede Minute wird in unseren Gossen
Ein Rattenkönig des Jahres gekürt
Mit Quietschcream und Speckgürtelschnitzel
Mit Expansionspansen und Megaplexus-Chicken.

Sind Rührmaschinen-Mischmaschmisch-Gebirgsmassive aus Verkehrsgestein
Aus Anzugarmut und Fußgängerzonen-Softwar
Aus Lehrstellenbenefiz und Versäumnisworkshops
Aus Wellblechmenschvorstandschefs und Obdachlosenerosionen

Wer aber sagt uns, wo es hier wohin geht?
Ist nicht gerade ein Zwergbergwerk
Nicht gerade ein Bonobo-Tokyo, unser Riesenstandort.
Mit Kinotherapien und Freiheit-Highlights
Mit Attentatattacken und Boxflugzeugrummel
Wolkenkratzerzerkratzen und Brachialbrutalbrachen.



Unregierbarkeit hat ihren eigenen Charme
Du musst ihn nur erst finden
Zwischen Bulldozzerdope und Hechelgruppenvertretern
Zwischen Friedenspreiskollöpsen und Infoimperieninfarkten

Übersicht ist alles
Nur kein Thema
An den Überlaufbecken zusammen brüchiger Überhandlandnehmungen
An den individuell verlassenen Stadtstrandkrampfadern
In Menschenbiomassenkörperschaften

Und so rufen wir die Aeroplanes
Wir rufen die Satelliten
Rufen die Containerschiffe:
Lasst uns vernünftig werden!

Wir beschwören den Abgrund
Wir beschwören den Komfort
Beschwören das Genom:
Lasst uns Menschen werden!

Lasst uns lassen die Moschee im Dorf
Den Dom in der Stadt
Den Tempel in der Metropole
Trotz At-it’s-best-Asbest, Staubcountdown und
Anspruch auf Beschädigung.

Was glotzen wir so quadratisch
Während der Fortschritt seine eigenen Füße frisst!


Wohl denen, die in schicksalfreien Zonen
Durchversichert vor sich hin verdienen
Wohl denen die sich herunterladen können
Was ihnen im Moment zuviel ist.
Wohl denen, die in programmierten Avatarsocietys
Narkotisierende Narzissennippel küssen können
Und für die „Tsunami“ eine Champagnermarke darstellt
Die besonders cremig kremiert.

Für alle andern aber (und selbst für jene) gilt:
Lösungshaaransätze
händelringend gesucht!
Eh uns der weltweite Wandel
Den katastrophalen Wohlstand beschwert
in den ugly-agro Agglomerationen, akropolislos

Mit Markt und Kiez und Bus und Bahn
Mit Teig und Kalk und Bar und Glas
Mit Streß und Fleisch und Lust und Klotz
Mit Fest und Krieg und Platz und Zoo
Mit Pelz und Kunst und Rock und Sport
Mit Chance und Zwielicht und Türmen und Kneipen
Mit Flugzeug und Häusern und Straßen und Kindern
Mit Schuttplatz und Scholle und Muskeln und Fressgier
Mit Pharma und Oper und Ansporn und Gehsteig
Mit Poker und Griffen und Kunden und Zügen
Mit Salad und Würde und Tapas und schlaflos
Mit Winken und Taxi, Tattoo und mit Psycho
Mit Quietschcream und Achse und Imbiß und Kollaps
Mit Acid und Anschlag und Landflucht und Airport
Mit Basis und Zentrum und downtown und Beute
Mit Bildung und Weltmarkt und Tele und Pizza
Mit Rathaus, Infarkt und mit Limit und Spielplatz
Mit Börse und Börger und Bürger und Brötchen
Mit Lichtbild und U-Bahn, Sightseeing und Gully
Mit Stadtverkehr, Banlieue, Fiberglas
Vorbehalt, Abendblatt, Gebeten
Tarifstreit Tabasco UNESCO
Schalldosen, Klavieren, Etagen
Automaten, Karriere
Lohnfortzahlung, Sonderchiffre
Ledersofas Ökoschadstoff
Lichtern der Großstadt
Zivilisation,
Autobahnausfahrt
Eigenkapital
Entgeltabrechnung
Maßanzugsmasken
Bevölkerungsschätzung
Gehirnerschütterung
Trinkwasserversorgung
Katastrophenhilfe
Lebensbedingungen
Rechtsbehelfsbelehrung
Abfallbeseitigung,
Überwachungsmaßnahmen
Verdunstungsoberflächen
Obdachlosenerosionen
öffentlichen Bekanntmachungen
Regenerationsfähigkeit
Generationengerechtigkeit
Investorinteressenvertretern in
Menschenbiomassenkörperschaften –

Wo ein jeder von uns seine Würde hat
Wo wir alle, treffen wir aufeinander
Zähne tragen
Mitten im Gesicht.




Zum Blog vom 7. Juni (Timo Brunke)



Zwei Liedtexte von Timo Brunke, Performance Poet und Demokrant* für den Erhalt des oberirdischen Stuttgarter Kopfbahnhofs

* Demokrant: Wortschöpfung als Angebot zur politischen Identitätsstiftung und zur Überwindung der Bezeichnung „Wutbürger“. Das Wort „Demokrant“ setzt sich zusammen aus den beiden Begriffen Demokrat und Demonstrant. Ein Demokrant ist demnach ein die Demokratie bejahender Bürger, der um der Artikulation dieser demokratischen Gesinnung willen auf die Straße geht.


Unter dem Gleisgebirge

eine Adaption des Liedes „Und in dem Schneegebirge“, einem deutschen Volkslied aus dem Glatzer Bergland/Schlesien (1553)


Unter dem Gleisgebirge
Da fließt ein Brünnlein kalt
Und wer vom Brünnlein trinket
Und wer vom Brünnlein trinket
Bleibt jung und wird nicht alt.

Ich hab daraus getrunken
So manchen kühlen Trunk.
Ich bin nicht alt geworden,
Ich bin nicht alt geworden,
Ich bin noch allzeit jung.

Sag, Tiefbahnhof, du scheidest,
Herzallerunliebsamster mein!
Kommst du bestimmt nicht wieder?
Kommst du bestimmt nicht wieder?
Das wird das Beste sein.“

„Stuttgart, ade, ich scheide,
Herzallerundankbarste mein,
Was hätt’ ich dir gegeben!
Viel hätt’ ich dir gegeben
Und mehr noch obendrein!“

„Du hätt’st mir ja genommen
Die Freud’ in dieser Stadt.
Wirst auch nicht wieder kommen?
Wirst auch nicht wieder kommen?
Ich hab dich ja so satt!“

„Wenn’s gute Gründe schneiet,
Das Geld auf Wiesen wächst wie Klee,
Dann will ich wiederkommen
Dann will ich wiederkommen,
Stuttgart, ade, ade!

„S’schneit keine guten Gründe,
Und auf den Wiesen wächst kein Geld,
So kommst du auch nicht wieder,
So kommst du niemals wieder,
Das sei hier festgestellt!“






Was solln wir tun mit dem S21-Technokraten?

Adaption des bekannten Shantys „What shall we do with the drunken sailor“


Was solln wir tun mit dem Stuttgart Einund-
Was solln wir tun mit dem Stuttgart Einund-
Was solln wir tun mit dem Stuttgart Einund-
Zwanzig-Technokraten? –

Hooray, wir bleiben oben,
Recht so, wir bleiben oben,
Ja, ja, wir bleiben oben –
Eben: Oben bleiben!

Hurra, wir bleiben oben,
Bravo, wir bleiben oben,
Klar, yo, wir bleiben oben –
Gruben bleiben eben!

Lass ihn das Brett vorm Kopf durchbohren,
Lass ihn das Brett vorm Kopf durchbohren,
Lass ihn das Brett vorm Kopf durchbohren,
Für ne kürz’re Leitung!

Hooray, wir bleiben oben,
Leute, wir bleiben oben,
He, ho, wir bleiben oben –
Eben: Oben bleiben!

Kommt, kommt, wir bleiben oben,
Baustopp, wir bleiben oben,
Medien, wir bleiben oben –
Eben oben leben!

Wirf ihm nen Brocken Gips in’ Kaffee
Wirf ihm nen Brocken Gips in’ Kaffee
Wirf ihm nen Brocken Gips in’ Kaffee –
Quellgips-Cappuccino!

Stuttgart, wir bleiben oben,
Gut so, wir bleiben oben,
Doch, doch, wir bleiben oben –
Eben: Oben bleiben!

Handschlag, wir bleiben oben,
Bravo, die Stadt erhebt sich,
Weisstu, wir bleiben oben –
Gruben bleiben eben!

Lass’ ihn das Grundwasser selber schöpfen
Lass’ ihn das Grundwasser selber schöpfen
Lass’ ihn das Grundwasser selber schöpfen
Vierundzwanzig Stunden!

Schnall’sch du’s? – Mir bleibet obe!
Rheintal, wir bleiben oben,
Huhu, wir bleiben oben –
Eben: Oben bleiben!

Yes, Sir, wir bleiben oben,
Alder, die Stadt erhebt sich,
Sehr gut, wir bleiben oben –
Oben bleiben – Eben!

Lass ihn in lange Röhren kucken,
Lass ihn in lange Röhren kucken,
Lass ihn in lange Röhren kucken,
Bis ihm davon schwarz wird.

Schick ihn aufs Gleisfeld, Blumen gießen,
Schick ihn aufs Gleisfeld, Blumen gießen,
Schick ihn aufs Gleisfeld, Blumen gießen,
Oder Grillen füttern!

Lass ihn die Schlichtung noch mal kucken,
Lass ihn die Schlichtung noch mal kucken,
Lass ihn die Schlichtung noch mal kucken –
Dann noch mal von vorne!

Break:

Ob er aber eher unten drunter soll
Oder an der Seite noch zwei Gleise will
Oder ob er überhaupt was taugt – da wird es eng!

Hurra, wir bleiben oben,
Hurra, wir bleiben oben,
Hurra, wir bleiben oben –
Eben: Oben bleiben!

Hooray, wir bleiben oben,
Hooray, wir bleiben oben
Hooray, wir bleiben oben –

Oben bleiben, leben!


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Uraufführung bei der Montagsdemo am 9.8.2010


Stuttgart - Die Schillerstraße ist in den vergangenen Tagen mehrmals von den Protestzügen der Kopfbahnhof-Befürworter besetzt worden. Unser Kolumnist Timo Brunke geht der Frage nach, wo sich der Namensgeber der Schillerstraße im Streit über Stuttgart 21 wohl positioniert hätte.

Er, der am Bopser einst den Freunden
Mit Feuer aus seinen Räubern las,
Er hätte sicherlich nicht Däumchen
Gedreht im grünen Stadtparkgras.

Es hätt' gewiss auch ihn beschäftigt:
Der einen Wilhelm Tell uns schuf,
Er hätte mitgemischt und deftig,
Schließlich war Denken sein Beruf.

Wie würd' er sich konkret verhalten:
Stünd' er mit Trenchcoat, Tröte, Hut
Vorm Bankmassiv im Sommerregen
Und stellte sich mit der Menge gut?

Stieg er nach kürzesten Bedenken
In Jeans und Turnschuhn aufs Podest,
Entflammte "wider die Tyrannen"
Mit Sturm und Drang und Manifest?

Käm' er dem Bürgerchor zu Hilfe
Und steuerte selbst Texte bei
Und dirigierte ihn am Ende,
Wie Klinsmann: schwäbisch, frank und frei?

Vielleicht mag ich mich in ihm täuschen,
Dann säß' er im PR-Büro,
Im schwarzen Rollkragenpullover,
"So Latte macchiato so."

Und röch' an seinem faulen Apfel,
Den der Designer-Schreibtisch birgt,
Für die Idee zu einem Slogan,
Der Großbaustellenlust bewirkt.

Ist's möglich, dass ihn inspirierte
Der Fortschritt-Geld-Kulturkonflikt
Zu einem Bahnhof-Menschheitsdrama,
Gespickt mit Wahrheit und verzwickt?

Wenn ja: wie müsst' das Drama heißen?
Trüg' es den Namen "Rockenbauch"?
Hieß' es wohl "Schuster", "Drexler", "Wölfle"?
"Die Räuber - zweiter Teil" ging auch?

Und wäre diese Wahl entschieden -
Das Drama hätte welchen Stil?
Die nahen Zeiten werden's weisen:
Ob Komödie, Schauspiel, Trauerspiel.


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Videoclip „Freunde schöner Kopfbahnhöfe“
http://videos.wittysparks.com/id/799219975

Widerstandshymne

Freunde schöner Kopfbahnhöfe
(Melodie: Ludwig van Beethoven, IX. Symphonie, vierter Satz,
die Vertonung von Friedrich Schillers „Ode an die Freude“)
 
   Freunde schöner Kopfbahnhöfe
Lasst uns Kopf an Köpfchen stehn,
Laut und bunt, mit Krach und Tröte
Soll man unser Sträuben sehn:
Alles sträubt sich und mit Freude,
Dass es piekst und stupft und hakt –
Wir sind viele tausend Leute
Und wir wachsen Tag für Tag.
 
Freunde schöner Parks und Bäume
„Unumkehrbar“ ist ein Wort.
Eins nur wolln wir nicht versäumen:
Hier zu schützen diesen Ort.
Denn das Rad, das sie beschwören,
Seinen „unhaltbaren Lauf“,
Werden wir, die Bürger, stören,
Notfalls setzen wir uns drauf!
 
Freunde schöner Grundgesetze
Und des freien Volksentscheids
Niemand will das Recht verletzen,
Wir wolln nur ein bisschen Schweiz:
Etwas mehr beteiligt werden
Was und wer, warum, wofür ?
Drum, mit friedlichen Gebärden
Stelln den Fuß wir in die Tür.
 
   Freunde, dieser Stadt zu Ehren
Holt den Kehrwisch aus dem Schrank!
„Unumkehrbar“ umzukehren
Und die Zukunft sagt uns Dank!
Keine Angst vor Zwang und Zahlen,
Wir sind das Volk, wir sind das Geld.
Seht, wie unsre Augen strahlen:
So verändern wir die Welt!
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Links unten hockt’s auf dem Plakat
Und sticht mir in den Blick:
So grün in grün und akkurat,
Ein Schwung, ein Falz, ein Knick.

Zwei Hundert-Euro-Scheine stell’n
Ein Haus im Grünen nach.
Der eine Schein mimt eine Wand,
Der andere das Dach.

"Zwei hundert Euro?" stutze ich,
Das reicht nicht, will ich meinen,
Was ist mit all den anderen
Milliarden Euro-Scheinen?

Um alle Kosten darzutun,
In Kartenhausmanier,
Was das für ein Gebilde wär’,
Aus Kleister und Papier:

Zwanzig Millionen Hüttchen gäb’s
Im Raster aufgereiht!
Ein Musterbeispiel, in der Tat,
Grube’scher Offenheit.

Was wäre das für ein Plakat!
Wohl sechzehn Kilometer breit,
Elftausend Meter Hochformat –
Die größte Werbewand weltweit!

Der "Schutzzaun" um den Bonatz-Bau
Wär nur ein Staubkorn Dreck davor.
Und zerrte am Plakat der Wind,
Wär’ das der Beat zum Bürgerchor!

Die Sicherheit allein versagt,
Es senkrecht aufzurichten.
Es wär’ von unten ohnehin
Mitnichten mehr zu sichten. –

Wir spannen das papierne Trumm
Als Zeltdach übern Kessel!
Vom Fernseh- bis zum Bismarckturm
Mit Hyper-Stahlseilfesseln.

Solch Megaposter will ich sehn,
Im Weltall noch zu orten.
"Schau, das ist Stuttgart!"

sagt ein Mensch
Vom Mars mit Marsmenschworten.

Olympiastadion und Mekka
Mit ihren Riesenzelten
Versinken tief im Mittelmaß –
Jetzt dürfen wir mal gelten!

Das Beste an dem Kesseldach –
Die ganze Stadt rutscht drunter!
So wird der Bahnhof Tiefbahnhof,
Wie durch ein großes Wunder!

Die Herren kriegen ihr Prestige,
Es schließen sich die Wunden.
So ist kurz vor der Bröselshow
Die Lösung noch gefunden!


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Sehr eindrucksvoller Clip mit Timo Brunke
zu

„Dialog 21“ unter dem Titel „Monolog 21“
„Stuttgart - Ulm in 59 Minuten und zurück in 28 Minuten“
Fingervers von Bahnhof und Baggermann

http://www.youtube.com/watch?v=KLEoe-CjuR8&feature=player_embedded#!

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Timo Brunke

Kopfbahnhof-Fingervers (StZ vom 4.5.10)

Daumen ist der Bahnhofsturm,
(linken Daumen in die Höhe strecken)
Finger das Gebäude, (linke Hand zur Seite ausstrecken)
Seitenflügel? – Fingerknick! (vier Finger rechtwinklig z. Handfläche)
So steht er bis heute.

Kommt der brave Baggermann, (rechten Daumen zeigen)
Soll die Flügel reißen – (Daumen re. schnippst an Fingern li.)
Muss den braven Baggermann
Unser Bahnhof beißen. (linke Hand umfasst rechten Daumen)

Baggermann im Bahnhof bleibt,
Mag sich drin verstecken,
(wedeln mit re. Daumen in li. Hand)
Isst so lang, zum Zeitvertreib, (mit Händen über d. Bauch reiben)
Zwanzig Fleischkäs’wecken. (in imaginäres Brötchen beißen)

Kommen die Politiker,
Baggermann zu suchen,
(die Finger d. re. Hand strecken)
Baggermann bleibt unentdeckt, (li. Daumen in re. Hand s.o.)
Nein, da hilft kein Fluchen! (Fäuste ballen)

Und im Schlosspark, nebenan,
Freun sich die Platanen, (
re. Hand: Finger wedeln)
Winken mit den Wipfeln zu
Allen Eisenbahnen,

Die dort übers Gleisgebirg
Fröhlich rasch hin brausen.
(Hände gespreizt übereinander)
Tiefbahnhof bleibt ein Projekt (li. Hand mit aufgestellten Fingern)
Für den Herrn Münchhausen. (Zeigefinger an die Stirn tippen).

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Blogeintrag vom 7.10.09

Der sprachwitzige Stuttgarter Poet Timo Brunke hat bei der Stuttgarter Zeitung seine originelle Kolumne in Gedichtform gestartet. Es sind Beobachtungen in Stuttgart, die er kritisch-ironisch-satirisch-liebevoll kommentiert. Ihre besondere Stärke ist die Aktualität, wenigstens bis jetzt. Keine Dichtung für die Ewigkeit, aber wie frische Blumen sind, mit dem Charme und Duft von heute.

Aus "
Biblio-Brachland"

Aus späten Blüten naschen, sieh,
Die altersschwachen Bienen
Doch - horch! Was hör ich vis-a-vis?
Das Quietschen der Bahnhofschienen!

Wie oberirdisch schön das quietscht
Auf allen sechzehn Gleisen
Wie's durch den lauen Abend fiepst -
Da möcht ich spontan verreisen!

Aus "
Eine Begegnung am Charlottenplatz"

War das zu begreifen, zu ermessen?
Diese Frau verkehrte den Verkehr!
Machte so sich "Autogart" vergessen
Leser, willst du Wunder? - bitte sehr!

Sie aber schwang sich in die Pedale
Radelte zügig rüber bei Rot
Ihre Nachkriegs-Stuttgartgesinnung:
"Bahn frei dem Auto!"? - Tot.